
Rudolf Heß: Von Hitlers Stellvertreter zum einsamen Gefangenen
Es ist eine Geschichte, die wie gemacht scheint für einen Spionageroman: Der Stellvertreter Adolf Hitlers besteigt 1941 eigenmächtig ein Flugzeug, fliegt nach Schottland – und landet für den Rest seines Lebens im Gefängnis; 46 Jahre später stirbt Rudolf Heß in Spandau, offiziell durch Suizid. Die Zweifel daran sind bis heute nicht verstummt.
Geburtsdatum: 26. April 1894 ·
Sterbedatum: 17. August 1987 ·
Haftdauer: 40 Jahre (1947–1987) ·
Urteil: Lebenslange Haft (Nürnberger Prozesse 1946) ·
Rolle: Stellvertreter des Führers (NSDAP)
Kurzüberblick
- Geboren: 26. April 1894 in Alexandria (WDR Stichtag)
- Gestorben: 17. August 1987 in West-Berlin (WDR Stichtag) (WDR Stichtag)
- 93 Jahre alt (WDR Stichtag)
- 40 Jahre Haft im Kriegsverbrechergefängnis Spandau (WDR Stichtag) (Deutsches Historisches Museum)
- Einziger Gefangener ab 1966 (WDR Stichtag) (Deutsches Historisches Museum)
- Selbstmord 1987 (Deutsches Historisches Museum)
- Ehefrau: Ilse Heß (verh. 1927–1987)
- Sohn: Wolf Rüdiger Heß (1937–2001)
- Stellvertreter des Führers (1933–1941)
- Verantwortlich für Nürnberger Gesetze
- Friedensflug nach Schottland 1941
Diese sechs Eckdaten fassen das Leben von Rudolf Heß zusammen:
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Vollständiger Name | Rudolf Walter Richard Heß |
| Geburtsdatum | 26. April 1894 |
| Sterbedatum | 17. August 1987 |
| Haftdauer | 40 Jahre (1947–1987) |
| Urteil | Lebenslange Haft (Nürnberger Prozesse 1946) |
| Rolle in der NSDAP | Stellvertreter des Führers |
Wie lange war Rudolf Heß in Gefangenschaft?
Die Dauer von 40 Jahren
- Rudolf Heß verbrachte 40 Jahre in Haft, von 1947 bis zu seinem Tod 1987 (WDR Stichtag).
- Am 18. Juli 1947 wurde er von Nürnberg nach Berlin-Spandau überführt (DER SPIEGEL).
- Ab Oktober 1966 war er der letzte verbliebene Insasse des Gefängnisses (WDR Stichtag).
Die Alliierten hielten das Kriegsverbrechergefängnis Spandau unter gemeinsamer Kontrolle der vier Besatzungsmächte (Deutsches Historisches Museum). Was als Haft für mehrere Verurteilte begann, wurde für Heß zur lebenslangen Einzelhaft.
Heß durfte 1969 – nach 22 Jahren – erstmals wieder seine Frau und seinen Sohn besuchen (WDR Stichtag). 22 Jahre ohne Familienkontakt in einem Hochsicherheitstrakt – ein Ausmaß an Isolation, das selbst unter Kriegsverbrechern beispiellos war.
Haftbedingungen in Spandau
- Das Gefängnis war für ursprünglich sieben Verurteilte ausgelegt.
- Die vier Mächte (USA, UdSSR, Großbritannien, Frankreich) wechselten sich monatlich in der Bewachung ab.
- Heß durfte Briefe schreiben und lesen, allerdings unter strenger Zensur.
Die Haftbedingungen und die Dauer von 40 Jahren machen den Fall Heß zu einem der außergewöhnlichsten in der Geschichte der Kriegsverbrecherhaft.
Was ist mit Rudolf Heß passiert?
Der Flug nach Schottland
- Am 10. Mai 1941 flog Heß eigenmächtig nach Schottland, um mit britischen Vertretern über einen Frieden zu verhandeln.
- Die Aktion scheiterte; Heß wurde sofort festgenommen und für den Rest des Krieges interniert.
Die Motive für diesen Alleingang sind bis heute Gegenstand historischer Debatten: Handelte Heß aus eigenem Antrieb oder im Einverständnis Hitlers? Die Forschung ist sich uneins.
Die Verurteilung in Nürnberg
- Im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess wurde Heß am 1. Oktober 1946 zu lebenslanger Haft verurteilt (WDR Stichtag).
- Die Anklagepunkte: Planung eines Angriffskrieges und Verschwörung gegen den Weltfrieden (Deutsches Historisches Museum).
- In den Punkten Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurde er freigesprochen (Deutsches Historisches Museum).
Der Tod 1987
- Heß starb am 17. August 1987 im Alter von 93 Jahren im Gefängnis Spandau (WDR Stichtag).
- Die offizielle Todesursache lautete Selbstmord (Deutsches Historisches Museum).
- Wikipedia spricht ebenfalls von Suizid (Wikipedia).
Die Umstände seines Todes sind bis heute umstritten. Während die offiziellen Quellen von Suizid ausgehen, halten sich Verschwörungstheorien, wonach britische Geheimdienste nachgeholfen haben sollen. Klarheit gibt es nicht.
Die Kombination aus Alleingang, Verurteilung und umstrittenem Tod lässt viele Fragen offen.
Was ist aus der Frau von Rudolf Heß geworden?
Ilse Heß: Leben nach dem Krieg
- Ilse Heß (geb. Pröhl) heiratete Rudolf Heß 1927.
- Nach der Verurteilung ihres Mannes setzte sie sich jahrelang bei den Alliierten für seine Freilassung ein.
- Sie schrieb mehrere Bücher über ihn und pflegte seinen Nachruf in rechten Kreisen.
- Ilse Heß starb 1995.
Ilse Heß setzte sich jahrelang bei den Alliierten für seine Freilassung ein.
Ilse Heß
Ilse Heß’ jahrzehntelanger Kampf um die Freilassung ihres Mannes blieb erfolglos – die Alliierten ließen den verurteilten Kriegsverbrecher bis zu seinem Tod nicht frei. Ihr Engagement machte sie zu einer Symbolfigur der rechtsextremen Szene.
Tod von Ilse Heß
- Ilse Heß verstarb 1995 im Alter von 95 Jahren.
- Ihr Nachlass wird bis heute von rechtsextremen Gruppen vereinnahmt.
Ilse Heß’ Treue und ihr Engagement hatten weitreichende politische Folgen.
Was ist aus dem Sohn von Rudolf Heß geworden?
Wolf Rüdiger Heß: Engagement für den Vater
- Wolf Rüdiger Heß (1937–2001) setzte sich zeit seines Lebens für die Rehabilitierung seines Vaters ein.
- Er gründete die Gesellschaft zur Förderung der Rudolf-Heß-Gedenkstätte.
- Öffentlich trat er als Neonazi-Aktivist in Erscheinung.
Kontroversen
- Wolf Rüdiger Heß bestritt offiziell die Selbstmordthese und behauptete, sein Vater sei ermordet worden.
- Seine Aktivitäten führten zu wiederholten Konflikten mit den deutschen Behörden.
- Er starb 2001.
Wolf Rüdiger Heß bestritt offiziell die Selbstmordthese und behauptete, sein Vater sei ermordet worden.
Wolf Rüdiger Heß
Das Erbe von Wolf Rüdiger Heß ist bis heute ein Mosaik aus familiärer Loyalität und politischem Extremismus. Für die einen war er ein Sohn, der für die Ehre seines Vaters kämpfte – für die anderen ein rechtsextremer Provokateur.
Wolf Rüdiger Heß’ Aktivitäten verdeutlichen die anhaltende Auseinandersetzung mit dem Erbe seines Vaters.
Was hat Rudolf Heß im Dritten Reich gemacht?
Aufstieg in der NSDAP
- Heß schloss sich 1919 der nationalistischen Bewegung an (WDR Stichtag).
- Er nahm 1923 am Hitler-Putsch in München teil und wurde verhaftet (WDR Stichtag).
- In Landsberg half er Hitler beim Schreiben von Mein Kampf, indem er dessen Monologe notierte (WDR Stichtag).
- Nach der Haft wurde er zu Hitlers Privatsekretär gemacht (WDR Stichtag).
Stellvertreter des Führers
- Ab 1933 war Heß Stellvertreter Hitlers in der NSDAP.
- 1935 unterzeichnete er die Nürnberger Rassengesetze.
- Er war an der Planung des Zweiten Weltkriegs beteiligt.
In dieser Position war Heß an zentralen NS-Verbrechen beteiligt – von der Gesetzgebung bis zur Kriegsvorbereitung. Die spätere Verurteilung in Nürnberg wegen Verschwörung und Angriffskriegs hatte hier ihre Grundlage.
Rolle im Zweiten Weltkrieg
- Mit Kriegsbeginn 1939 verlor Heß zunehmend an Einfluss hinter den Kulissen.
- Der Flug nach Schottland 1941 wird oft als Versuch gedeutet, seine schwindende Machtposition zu retten.
- Nach dem Flug wurde er von Hitler öffentlich für geisteskrank erklärt und aller Ämter enthoben.
Heß’ Aufstieg und Fall zeigen die Dynamik der NS-Hierarchie.
Zeitleisten-Signal
- – Geburt in Alexandria, Ägypten (WDR Stichtag)
- – Eintritt in die NSDAP
- – Teilnahme am Hitler-Putsch (WDR Stichtag)
- – Ernennung zum Stellvertreter des Führers
- – Unterzeichnung der Nürnberger Rassengesetze
- – Flug nach Schottland
- – Verurteilung zu lebenslanger Haft (WDR Stichtag)
- – Einlieferung nach Spandau (DER SPIEGEL)
- – Letzter verbliebener Gefangener (WDR Stichtag)
- – Tod durch Suizid (Deutsches Historisches Museum)
Was ist bekannt – und was bleibt unklar?
Bestätigte Fakten
- Geburts- und Sterbedatum sind durch Standesamtsunterlagen gesichert (WDR Stichtag)
- Verurteilung zu lebenslanger Haft 1946 (WDR Stichtag)
- Flug nach Schottland am 10. Mai 1941
- 40 Jahre Haft in Spandau (WDR Stichtag)
- Tod am 17. August 1987 (WDR Stichtag)
- Offizielle Todesursache: Selbstmord (Deutsches Historisches Museum)
Was unklar ist
- Motive des Fluges – alleinige Initiative oder mit Wissen Hitlers?
- Todesumstände – Selbstmord oder Mord durch britische Geheimdienste?
- Letzte Worte – widersprüchliche Angaben der Wachmannschaften
- Berichte über mehrere Suizidversuche vor 1987
- Ob Heß von Hitler zum Sündenbock gemacht wurde
- Ob die Alliierten ihn aus politischen Gründen nicht freiließen
Häufig gestellte Fragen
Warum flog Rudolf Heß nach Schottland?
Die Motive sind bis heute unklar. Heß flog am 10. Mai 1941 nach Schottland, um mit britischen Vertretern über einen Frieden zu verhandeln. Die Forschung ist sich uneins, ob er allein handelte oder mit Wissen Hitlers.
Was war die Spandau-Haft?
Das Kriegsverbrechergefängnis Spandau in West-Berlin stand unter gemeinsamer Kontrolle der vier Besatzungsmächte. Heß verbrachte dort 40 Jahre als einziger Gefangener ab 1966.
Wie alt wurde Rudolf Heß?
Heß wurde 93 Jahre alt.
Welche Rolle spielte Heß beim Nürnberger Prozess?
Heß wurde am 1. Oktober 1946 zu lebenslanger Haft verurteilt, wegen Planung eines Angriffskrieges und Verschwörung gegen den Weltfrieden. In den Punkten Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurde er freigesprochen.
Wurde Rudolf Heß jemals begnadigt?
Nein, Heß wurde trotz mehrerer Gnadengesuche nie freigelassen. Die Alliierten hielten bis zu seinem Tod 1987 an der Haft fest.