San Marino ist der kleinste Staat Europas – und hat dennoch eine eigene Fußballnationalmannschaft. Auf dem Platz allerdings kennt die Wirklichkeit wenig Rücksicht auf den Underdog-Charme. Seit über drei Jahrzehnten sammelt das Team Niederlagen, hält absurde Rekorde und taucht trotzdem regelmäßig in den globalen Ranglisten auf. Was steckt hinter dieser besonderen Geschichte?

FIFA-Weltrangliste: 211. Platz · Kadergröße: 24 Spieler · Durchschnittsalter: 24,8 Jahre · Legionäre: 70,8 % · Längste Negativserie: 141 Spiele

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
  • San Marino belegt Platz 211 der FIFA-Weltrangliste (Stand: 1. April 2026) (Inside FIFA)
  • Drei Siege in der gesamten Länderspielgeschichte – der letzte im Oktober 2024 (n-tv)
  • Höchste Niederlage: 0:13 gegen Deutschland (EM-Quali 2008, 2006) (Tribuna.com)
2Was unklar ist
  • Wie sich die Sieglos-Serie nach dem Oktober 2024-Sieg entwickelt
  • Konkrete WM-Quali 2026-Bilanz gegen Österreich und andere Gegner
  • Zukünftige Entwicklungspotenziale des Kaders
3Zeitleisten-Signal
  • Gründung des Verbands: 1931, Nationalmannschaft seit 1986 (Tribuna.com)
  • FIFA-Aufnahme: 1988, erster Spielbetrieb: 1990 (Tribuna.com)
  • Erster Sieg: 2004 gegen Liechtenstein (Tribuna.com)
4Wie es weitergeht
  • WM-Quali 2026 gegen Österreich und weitere europäische Teams (n-tv)
  • Weiterhin Teilnahme an Nations League und Qualifikationen (n-tv)
  • Nationaltrainer Roberto Cevoli bleibt im Amt (n-tv)
San Marino in Zahlen: Die wichtigsten Daten auf einen Blick
Merkmal Wert
FIFA-Rang 211
Erstes Länderspiel 14. November 1990
Gesamtsiege 3
Kaderdurchschnittsalter 24,8 Jahre
Kadermarktwert 745.000 Euro
Längste sieglose Serie 141 Spiele
Gegentore seit 1990 572
Tore erzielt seit 1990 21
Beste Platzierung je 118
Schlechteste Platzierung je 210

Was war die höchste Niederlage von San Marino?

Historische Spiele

Die Fußballgeschichte San Marinos ist überschaubar – aber was die Niederlagen betrifft, durchaus spektakulär. Die höchste Pleite datiert aus dem Jahr 2006: Beim 0:13 gegen Deutschland in der EM-Qualifikation für 2008 kassierte das Team eine der bittersten Niederlagen im europäischen Fußball. Zum Vergleich: Selbstteams wie Malta oder Liechtenstein mussten ähnliche Ergebnisse hinnehmen, aber selten in dieser Höhe.

Der Rekord

Die 0:13-Niederlage bleibt unangefochten. Deutschland war zu diesem Zeitpunkt WM-Gastgeber 2006 – ein Turnier, das man sportlich nie vergessen wird.

Neben dem 0:13 gegen Deutschland stehen weitere hohe Niederlagen zu Buche. Eine 0:10 gegen Kroatien im März dokumentiert, dass auch aktuelle Gegner das Team deutlich dominieren. In der WM-Qualifikation 2026 sammelte San Marino erneut die meisten Gegentore an einem Spieltag aller europäischen Teams – ein unrühmlicher Rekord, der sich wiederholt (Fussballtransfers.com).

Die Gesamtbilanz seit 1990: 134 Länderspiele, 129 Niederlagen, 572 Gegentore und lediglich 21 eigene Treffer. Das ergibt einen Schnitt von über vier Gegentoren pro Partie – eine Zahl, die das sportliche Gefälle zu anderen UEFA-Nationen verdeutlicht.

Aktuelle Qualifikationen

In der aktuellen Nations-League-Saison und WM-Quali 2026 setzt sich die Serie fort. Gegen Österreich, Finnland und Dänemark aus der EM-Quali-Gruppe hatte San Marino keine Chance auf Punkte. Mattia Stefanelli schoss zwar das erste Auswärtstor in einer WM-Quali seit 15 Jahren – ein kleiner Trost, der aber am Gesamtergebnis nichts änderte.

Fazit: San Marinos Niederlagenserie ist kein Zufall, sondern systembedingt. Die Größe des Landes, die amateurhafte Ligastruktur und der Mangel an profes­sio­nellen Spielern führen zu dauerhaft hohen Ergebnissen. Selbst Siege – wie der historische 3:1-Erfolg im Oktober 2024 gegen Liechtenstein – ändern daran wenig.

Welche Nationalmannschaft ist die schwächste der Welt?

FIFA-Ranking

San Marino belegt aktuell Rang 211 der FIFA-Weltrangliste – den vorletzten Platz weltweit. Einzige Nation dahinter: meist Turks- und Caicosinseln. Die durchschnittliche Platzierung über alle Zeiten liegt bei 183, was zeigt, dass das Team nie wirklich aus den untersten Rängen herauskam.

Fast sieben Jahre lag San Marino auf dem letzten Platz der Rangliste. Selbst als andere Kleinstaaten wie Andorra oder Gibraltar minimale Fortschritte machten, blieb San Marino konstant am Boden. Das Problem: Wer dauerhaft verliert, verliert auch FIFA-Punkte und rutscht weiter ab.

Die Ranglisten-Mechanik

FIFA-Punkte hängen von Gegnerstärke und Ergebnis ab. Gegen Top-Nationen wie Deutschland oder Kroatien holt man selbst bei hohen Niederlagen mehr Punkte als gegen gleich schwache Teams. San Marino profitiert dennoch kaum davon.

Vergleich mit anderen Teams

Im direkten Vergleich mit anderen schwachen europäischen Teams zeigt sich ein klares Bild: Teams wie Gibraltar (Rang ~150) oder Andorra (~150) haben minimale Fortschritte gemacht. San Marino bleibt stabil auf Rang 211 – das Schlusslicht nicht nur Europas, sondern einer der schwächsten FIFA-Mitglieder weltweit.

Warum San Marino so schwach bleibt

Der Kadermarktwert von 745.000 Euro steht in krassem Kontrast zu Österreichs 221,3 Millionen Euro – ein Faktor von etwa 300. Selbst Liechtenstein, ein ähnlich kleiner Staat, verfügt über eine professionellere Struktur.

Dabei besiegte San Marino 2024 die Cayman Islands und feierte im Oktober den dritten Gesamtsieg gegen Liechtenstein – ein 3:1 auswärts, der größte Erfolg seit Jahrzehnten. Der Spiegel bezeichnete das Team als „eines der schlechtesten Nationalteams der Welt”, was trotz des historischen Sieges nicht falsch ist.

Warum kann San Marino zur WM?

Qualifikationsmodus

San Marino nimmt trotz der minimalen sportlichen Chancen regulär an FIFA- und UEFA-Wettbewerben teil. Die Regeln sehen keine Mindestqualifikation vor – jedes Mitgliedsland hat Anrecht auf Teilnahme, unabhängig vom Ranking.

In der WM-Quali 2026 trifft San Marino auf Österreich und weitere europäische Nationen. Die UEFA-Struktur garantiert auch Kleinstaaten einen Platz in der Qualifikation, was für medialen Unterhaltungswert sorgt – auch wenn die Ergebnisse vorhersehbar sind.

Die Krux der Qualifikation

Trotz konstanter Niederlagen profitiert San Marino von der FIFA-Punkteregel: Gegen starke Gegner wie Deutschland oder Österreich verliert man mit weniger Punktabzug als gegen schwache Teams. Das System belohnt indirectly die Schwäche.

Chancenanalyse

Die realistische WM-Chance für San Marino liegt bei null. Selbst mit Siegen gegen Liechtenstein oder Gibraltar würde das Team nie die Qualifikation erreichen. Die Nations League bietet als Nebenwettbewerb realistischere Ziele: In der Liga D kämpft San Marino gegen ähnlich schwache Teams und könnte theoretisch aufsteigen.

Der Tribune-Autor Oleksandr Manov fasste zusammen: „San Marino hat 130 Spiele in Folge nicht gewonnen – das ist Rekord! Sie wollten diese Serie.” Eine treffende Analyse der Situation.

Ist die San Marino League professionell?

Liga-Struktur

Der Fußball in San Marino ist weitgehend amateurhaft. Der nationale Verband existiert seit 1931, die Nationalmannschaft seit 1986. Der Spielbetrieb ist lokal begrenzt und bietet kaum professionelle Strukturen. Die meisten Spieler sind Halbprofis oder Amateure, die außerhalb San Marinos in italienischen Niederlagen spielen.

70,8 Prozent der aktuellen Nationalspieler sind Legionäre – meist in der italienischen Serie C oder tiefer. Der Kadermarktwert von 745.000 Euro verteilt sich auf 24 Spieler mit einem Durchschnittsalter von 24,8 Jahren. Die teuersten Spieler – Alessandro Golinucci, Nicola Nanni und Tommaso Benvenuti – sind jeweils 100.000 Euro wert.

Strukturelles Defizit

Ohne eigene professionelle Liga fehlt San Marino die Basis für nationale Talentförderung. Das System ist auf Legionäre angewiesen, die außerhalb des Landes spielen und selten gemeinsam trainieren können.

Vergleich zu Nationalteam

Die Diskrepanz zwischen Ligastruktur und Nationalteam ist eklatant. Während Liechtenstein eine eigene Meisterschaft mit Semiprofi-Charakter hat, operiert San Marino mit einer Mischung aus Freizeitfußball und Auslandslegionären. Die Folge: keine einheitliche Spielphilosophie, keine gemeinsamen Trainingsphasen, keine Turniererfahrung auf höchstem Niveau.

Die fehlende professionelle Infrastruktur zeigt sich auch im internationalen Vergleich: Selbst tiny microstates wie Andorra oder Gibraltar haben in den letzten Jahren minimale Fortschritte erzielt, während San Marino strukturell auf der Stelle tritt.

San Marino Kader

Aktuelle Spieler

Der Kader für aktuelle Turniere umfasst 24 Spieler mit einem Gesamtwert von 745.000 Euro. Die teuersten Einzelspieler sind Alessandro Golinucci, Nicola Nanni und Tommaso Benvenuti mit je 100.000 Euro Marktwert. Das Durchschnittsalter von 24,8 Jahren zeigt eine junge Mannschaft – ein möglicher Vorteil für zukünftige Entwicklungen.

Mattia Stefanelli verdient besondere Erwähnung: Er erzielte das erste Auswärtstor in einer WM-Quali seit 15 Jahren – ein kleiner, aber symbolischer Erfolg für das Team.

Drei Siege in der Geschichte San Marinos: Alle Erfolge im Überblick
Datum Gegner Ergebnis
2004 Liechtenstein 1:0
2024 (vor Oktober) Cayman Islands n.b.
Oktober 2024 Liechtenstein 3:1

Trainer und Staff

Nationaltrainer Roberto Cevoli leitete das Team 2024 und führte es zum historischen 3:1-Sieg gegen Liechtenstein. Sein taktisches Konzept setzt auf Kompaktheit und Konter – die einzige realistische Strategie gegen technisch überlegene Gegner.

„Man darf, ohne böse zu sein, sagen, dass San Marino eine der schlechtesten Nationalmannschaften der Welt hat.”

Der Spiegel (Sportredaktion)

„San Marino erlebt die ‘Nacht der Wunder’ und darf jetzt sogar von der Teilnahme an den WM-Playoffs träumen.”

— n-tv (Sportredaktion)

Trotz des Erfolgs bleibt die Realität ernüchternd: San Marinos Kader ist im Vergleich zu anderen UEFA-Nationen dauerhaft unterlegen. Der Oktober 2024-Sieg war ein Ausnahmeereignis, nicht der Beginn einer Trendwende.

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Häufig gestellte Fragen

Wie viele Siege hat San Marino?

San Marino hat in seiner gesamten Länderspielgeschichte drei Siege erzielt. Der erste war 2004 gegen Liechtenstein, der zweite gegen die Cayman Islands (vor Oktober 2024), und der dritte im Oktober 2024 mit einem 3:1-Auswärtssieg gegen Liechtenstein – der höchste Sieg aller Zeiten.

Welche Tore erzielte San Marino zuletzt?

Im Oktober 2024 schoss San Marino drei Tore gegen Liechtenstein – das beste Ergebnis seit Jahrzehnten. Davor erzielte Mattia Stefanelli das erste Auswärtstor in einer WM-Quali seit 15 Jahren. Insgesamt hat San Marino seit 1990 nur 21 Tore in 134 Länderspielen erzielt.

Warum ist San Marino so schwach?

Die Schwäche San Marinos resultiert aus mehreren Faktoren: Der Mikrostaat hat nur etwa 33.000 Einwohner, keine professionelle eigene Liga, 70,8 Prozent der Nationalspieler sind Legionäre in unteren italienischen Ligen, und der Kadermarktwert von 745.000 Euro ist der niedrigste in Europa.

Gibt es Profis im San-Marino-Kader?

Die meisten Spieler sind Halbprofis oder Amateure. Die drei teuersten Spieler (Golinucci, Nanni, Benvenuti) haben jeweils einen Marktwert von 100.000 Euro – in europäischem Vergleich extrem niedrig. Einzige Profi-Perspektive: Spielen in der italienischen Serie C.

Wie oft spielte San Marino gegen Österreich?

In der WM-Quali 2026 trifft San Marino auf Österreich. Der Kadermarktwert-Vergleich zeigt das extreme Gefälle: 745.000 Euro (San Marino) vs. 221,3 Millionen Euro (Österreich) – ein Faktor von etwa 300.

Welche Jugendmannschaften hat San Marino?

San Marino hat U-21- und U-19-Mannschaften, die aber ebenfalls zu den schwächsten europäischen Teams gehören. Der nationale Verband bemüht sich um Nachwuchsförderung, aber die Basis aus Kleinstaat und Amateurfußball limitiert die Entwicklung.

Steigt San Marino in der FIFA-Rangliste?

San Marino liegt stabil auf Rang 211. Ein Aufstieg ist theoretisch möglich durch Siege gegen schwächere Teams, aber angesichts von nur drei Siegen in 34 Jahren und einer Serie von 141 sieglosen Spielen ist ein signifikanter Sprung unwahrscheinlich.

Für Österreichs Fußballfans, die in der WM-Quali 2026 auf San Marino treffen, ist die Sache klar: Ein technisch und finanziell überlegenes Team erwartet einen Pflichtsieg. Für San Marino selbst bleibt der Oktober 2024-Sieg gegen Liechtenstein ein leuchtender Ausnahmewert in einer ansonsten düsteren Bilanz.